Freitag, 4. September 2009

Zurueck aus der Wueste

So, da sind wir wieder. Einiges hat sich ereignet. Also der Reihe nach.
Nach unserem letzten Tag in Sucre sind wir in einer ziemlich entspannten Busfahrt durch tolle Landschaften nach Uyuni gefahren. Zwischendurch haben wir in der hoechstgelegenen Stadt der Welt (Potosi, ca. 4 km hoch) angehalten und konnten uns 15 min die Beine vertreten. Nach der naechsten Etappe kamen wir also in Uyuni an. Und das ist echt das letzte Kaff. Am Abend der Ankunft haben wir dann auch nichts weiter gemacht als uns eine Tour durch die Wueste fuer die naechsten 3 Tage zu organisieren. Das Hotel fuer diese Nacht war sowas von *rschkalt, das laesst sich nicht beschreiben. der Wahnsinn. Das gehoert in 3,7 km Hoehe aber wohl dazu. Die Strassen sind riesig breit und leer, alles grau, immer kalt. Also uns hat das total an Bilder aus Sibirien erinnert. Fazit: Uyuni = nicht so toll.

Aaaaber die Umgebung, die hat´s in sich. Am naechsten Morgen sind wir zusammen mit zwei anderen Deutschen (beides Lehrerinnen) und zwei total coolen Japanern, von denen wir ne Menge Japanisch gelernt haben, sowie Fahrer + Koechin in nem Jeep losgefahren in Richtung Salar de Uyuni. Das ist eine riesige Salzwueste. Alles ist total strahlend weiss, der Himmel an dem Tag absolut klar, nicht mal ein bisschen Dunst hat das Vergnuegen getruebt. Wie geschaffen fuer Werbeaufnahmen und so weiter. Einfach malerisch. In der Mitte der Wueste gibt es eine kleine "Insel", auf der man ein wenig herumwandern, 1000 Jahre alte Kakteen bestaunen kann sowie einen "unendlichen" Ausblick hat. Kleine Kostprobe:



Der Anfang hat sich also schonmal gelohnt.
Fuer diesen Tag war es das dann auch schon fast. Wir sind einmal durch die komplette Wueste gefahren (was schon eine Weile dauert), durch "normale" Wueste, vorbei an vielen Lama-Gruppen und Vikuñas (total huebsche Tiere, die Frauen an Bord haben immer von "wie Bambi" geredet), weiter zu unserem ersten Uebernachtungsort, einem Dorf namens San Juan. Das hat vielleicht... 200 Einwohner? Ausser dem Hotel war da auf jeden Fall nicht viel. Einen Spaziergang haben wir aber trotzdem gemacht, und in der Naehe sogar noch einen uralten Vor-Inka-Friedhof entdeckt. Die haben da echt komplette Skelette, teilweise noch mit Kleidung, Beigaben und Hueten auf dem Kopf. Das wahr schon sehr interessant!
Die Kaelte in der Nacht war verhaeltnismaessig ertraeglich. Man muss dazu sagen, dass warmes Wasser ein Fremdwort ist, die Waende einfach nur aus Steinen bestehen, und die Daecher in der Regel aus Wellblech oder Plastik. Waehrend draussen die Fluesse gefrieren. Aber wie gesagt, an die Temperaturen muss man sich halt gewoehnen.

Am folgenden Tag ging es bei etwas schlechterem Wetter auf zu unzaehligen, huebschen Lagunen.



Jede von ihnen ist zwischen riesigen Bergen gelegen, viele haben hunderte Flamingos als Bewohner, und die groesste und beruehmteste, die Laguna Colorada, hat durch Algen sogar selbst eine rote Farbe. Das war schon was besonderes. Zwischendurch sind wir auch noch an einer Stelle voller erodierter Sandstein-Bloecke vorbeigekommen und konnten den "Arbol de Piedra" bewundern.



Sieht irre aus, und wir haetten uns das gerne ewig lange angucken wollen, aber der Wind, der in der Hoehe normalerweise herrscht (sehr, sehr heftig), plus Temperaturen von ... 5 Grad oder so haben es echt geschafft, dass wir nach 2 Minuten wieder im Auto sassen. Der Fahrer meinte aber, dass das immer so ist.
Dieser Tag stand also voll im Zeichen der Lagunen. Uebrigens: mittlerweile befinden wir uns im Schnitt in 4,3 km Hoehe. Die Uebernachtung fand wieder im einem kleinen Dorf statt. Dieses mal allerdings in einem 6-Mann-Zimmer ohne Licht. Im Bad gabs auch keins. Und es war die bisher kaelteste Nacht. Wir haben alle komplett in unseren Klamotten geschlafen, unter vielen vielen Decken, und es hat nichts genuetzt.

Am letzten Tag der Tour ging es zunaechst zu einem Geysir-Feld. Das waren zwar "nur" Schlamm-Geysire, was aber trotzdem sehr cool ist. Und ueberall dampft und qualmt es, und der obligatorische Schwefel(-Wasserstoff)-Geruch hat auch nicht gefehlt :)
Weiter ging es dann zu einer Thermal-Quelle. Na ja, wie soll unsere Meinung dazu schon gewesen sein, bei um die 0 Grad, wieder ueberall gefrorenen Gewaessern, Wind, der einen umhaut, nach der kaeltesten Nacht unseres Lebens. An baden gehen hat sicherlich niemand gedacht, zumal die es hier echt draufhaben, da keine Umkleidekabinen hinzustellen. Aber die Hand wollten wir mal reingehalten haben. Und eine knappe Minute spaeter waren wir dann auch ganz drin. Es war SOWAS von angenehm warm, es war unbeschreiblich. Eigentlich wollten wir fuer immer drin bleiben. War das toll. Und wir waren auch fuer den kompletten Tag aufgewaermt. Beweis:



Schliesslich haben wir eine weitere Lagune besichtigt, und zwar die schoenste insgesamt, wie ich finde. Hellblaues Wasser (besser als auf jedem Karibik-Foto), weisser Strand, wieder mit grossartigem Panorama. Das Ufer war uebrigens von Schaum bedeckt, aus welchem Grund auch immer. Verschmutzt war es sicher nicht, aber wegen des starken Windes sind meiner Meinung nach die Kronen der Wellen dorthin gelangt und angefroren. Das war auf jeden Fall ein gewaltiger Anblick.



Und dann ging es (wieder vorbei an der gewaltigsten Landschaft) mehr oder weniger direkt zurueck nach Uyuni. Vor den Stadttoren liegt noch der bekannte Eisenbahnfriedhof, den wir im passenden Abendlicht besichtigen konnten.



Und am selben Abend ging die Reise auch schon weiter nach La Paz, wo wir jetzt sind. Ueber die Stadt berichten wir beim naechsten mal, was in einigen Tagen sein wird, da wir eine Trekking-Tour ueber 3 Tage machen werden.
Das war aber noch nicht das Ende vom Lied. Noch in Uyuni hatten wir eine Stunde bis zur Abfahrt des Busses Zeit, und so sind wir Pizza essen gegangen. Nebenbei haben wir ein paar Sachen in unseren Rucksaecken geordnet. In La Paz angekommen, ist Anita aufgefallen, dass ihr Bauchbeutel nicht mehr da ist. Da war nicht viel drin (ein paar Dollar, ein paar Bolivianos), ausser ... den beiden Speicherkarten, auf denen die kompletten Reisebilder bis Uyuni gespeichert waren!!! Wir sind natuerlich sofort los und haben das Restaurant angerufen, doch die haben es nicht. Die Busgesellschaft auch nicht. Morgen rufen wir nochmal an, aber das wird wohl nicht viel bringen. Tja. Anita war natuerlicherweise sehr sehr traurig und am Boden zerstoert. Aber wir haben uns dann doch entschlossen, schonmal einen Stadtspaziergang zu machen. Alles war dann auch schoen und wir haben ein bisschen was gekauft, doch dann... naja, da war halt ein rutschiger Stein, Anita legt sich hin und faellt : auf die Kamera!!! Seitdem ist das Display im Arsch und wir haben jetzt eine neue Kamera fuer 70 Euro gekauft. Man koennte also mit gewisser Berechtigung behaupten, dass das nicht Anitas bester Tag war. Deswegen schreib ich auch den Artikel ;)

So, das wars jetzt aber. Wir melden uns nach dem Trip wieder!!

Kommentare:

  1. Ihr Abenteurer, welch' Geschichten, da reicht ein Buch nicht aus, um zu beschreiben, was ihr Tolles und Tragisches erlebt habt. War anfangs ja traurig, hätte euch lieber in Kanada gewusst, aber nach euren Reisebeschreibungen zu urteilen, wäre es nicht mal halb so schön geworden, natürlich ist es eine Katastrophe, die schönen Fotos alle verloren zu haben, vor allem wegen der schönen Erinnerungen, aber ihr habt das alles persönlich, leibhaftig gesehen, ihr werdet euch immer daran erinnern, und falls einem von euch mal eine Erinnerung fehlt, kann der andere sie ganz leicht wecken mit einem "weißt du noch..." und alles wird wieder vor eurem inneren Auge erscheinen.
    Eure Fotos sind sooooooooooooooooooooooooo schön, man könnte sie stundenlang anschauen, super.
    Lotti ist heute endgültig ausgezogen und hat ihr Zweitfach bekommen, leider nicht Geographie, sondern Englisch. Wenn sie sich garnicht damit anfreunden kann, wird sie wechseln, zum nächsten Semester.
    Ich weine mit Anita um die Speicherkarten und die Kamera und freue mich mit euch beiden über eure tolle Reise, die sich schon jetzt sehr gelohnt hat.
    Liebe Grüße von Mama

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  2. Mami Barbara und Papi Wolfgang5. September 2009 um 13:55

    Hallo Ihr Süßen, wieder sind wir fasziniert von Eurem Bericht. Wie macht Ihr das nur, überall gleich an die richtige Adresse für Tour- Guides , Jeep usw. zu kommen?
    Gibt es Tourist- Infos? Die Wüste bei Uyuni lässt einen schwärmen, und erst Euer Bad in der heissen Quelle, so wart Ihr warm und sauber in einem. Was die Nächte betrifft- es friert uns, wenn wir nur von der Kälte lesen!Reichen eigentlich Eure, speziell Anitas , Spanischkenntnisse, um alles zu managen? Um die Speicherkarten ist es mehr als nur ein Jammer, gibt es denn wenigstens den Trost, dass Tommi mit der alten Kamera parallel geknipst hat ? Dann kommt zu Hause die Überraschung, was auf den Filmen ist. Zur Not müssen wir einen Bildband kaufen oder im Web nach Bildern von Orten suchen, wo Ihr wart. Ja, und was macht zu Hause? Dieses Wochenende sind wir voll mit Denken und Schreiben beschäftigt- der Proßess von Henry ist in der heissen Phase. Wir haben das Gerichtsprotokoll- der Gutachter ist eine Katastrophe und wir müssen ihn zerpflücken. Angriffsfläche bietet er genug. Lasst es Euch weiter so gut gehen, nehmt jedes Erlebnis mit und seid umarmt von Mami und Papi

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  3. P.S.- Ratet mal, wer vergeblich versucht hat, einen Blogeintrag zu veröffentlichen und wer diese grooooße Herausforderung gepackt hat.....

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  4. Na klar, alles wie üblich, immer dieselbe Sch... Aber gut, also habe ich mich hiermit auch mal - live - gemeldet und werde versuchen, ab und zu mal aus der la menge irgendwas zur Erheiterung Eurer ansonsten so tristen Tage beizutragen.
    Also - Tschüß denn, das muss als "Übungseintrag" einfach mal reichen, ich bin denn mal weg...

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  5. Hallo Ihr Süssen, Eure Berichte sind immer noch überwältigend! Was für ein Abenteuer!!! Schatz Anita, eigentlich müsste ich sagen, Ihr seid gesund und munter und seht gemeinsam soooo viele tolle Dinge, lass' doch die "ollen" Bilder, aber ich habe erstmal mit Dir geweint und getrauert. So, jetzt aber Kopf hoch, das Abenteuer ist noch nicht zu Ende. Zu Hause werdet Ihr alles für immer vor Augen haben und uns so die Schönheiten beschreiben können. Wir erwarten (sehn)süchtig Eure nächsten Berichte. Alles Liebe von Oma Renate und Opa Dietrich

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  6. soooooo...ich bin dann auch weg^^
    quasi ausgezogen wenn du wieder kommst..du wirst dann nur noch die kläglichen überreste meines zimmers sehen..
    ich hab jetzt als 2.fach englisch..weiß noch nich ob ich mich jetzt total ärgern soll oder es doch iwie was gutes hat.
    ich hoffe ihr lasst es euch gut gehen!!!!
    ein bisschen vermiss ich dich vllt sogar...aber nur vllt..
    bis bald!!!

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  7. Hey ihr beiden,
    der Salar de Uyuni ist wirklich traumhaft, oder? Man fühlt sich, wie auf einem anderen Planeten ;). Wir waren damals auch total begeistert! Ich bin ja schon ein bisschen neidisch auf die heißen Quellen ^^!

    Mist, dass mit den Speicherkarten und der Kamera. Das diese doofe Technik auch immer sooo empfindlich sein muss -.-. Aber ich kenne das Problem, hatte in Südamerika auch ständig nur kaputte Kameras. Aber gut, dass ihr euch gleich eine neue gekauft habt. Und 70€ geht ja! Macht sie auch einigermaßen gute Fotos?

    Die Hauptsache ist überhaupt, dass ihr alles mit eurem inneren Auge festhaltet und die Augenblicke und Erlebnisse ganz fest in eurem Gedächtnis speichert!

    Ich hoffe, ihr genießt La Paz, ich finde die Stadt hat einen ganz eigenen Flair, allein schon durch die Höhe (wirklich anstrengend^^!) und die Berge rundherum. Viel Spaß bei eurem Trip, lauft nicht zu schnell :)!

    Ich bin gespannt auf euren nächsten Eintrag!
    Cuidense, un abrazo enorme! Y Anita, espero que ya no tengas tanta mala suerte ;)

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